Rendite einer Neubau-ETW als Kapitalanlage: Was Sie wirklich verdienen

Die Rendite einer Neubau-ETW ist keine einzelne Zahl — sie setzt sich aus vier Quellen zusammen, die unabhängig voneinander wirken. Wer nur die Bruttomietrendite betrachtet, sieht das tatsächliche Ertragsbild nicht vollständig.



Bei einem QNG-40-Objekt mit 350.000 € Kaufpreis, 3,5 % Finanzierungszins und 42 % Steuersatz ergibt die Gesamtbetrachtung im ersten Jahr einen effektiven Kapitalzufluss von über 20.000 Euro — bei einem eingesetzten Eigenkapital von rund 38.500 Euro. Das entspricht einer Eigenkapitalrendite von über 50 % im ersten Anlagejahr.


Die vier Rendite-Schichten

Schicht 1: Bruttomietrendite

Die Bruttomietrendite ist der einfachste und am häufigsten zitierte Wert:


Bruttomietrendite = Jahreskaltmiete ÷ Kaufpreis × 100


Sie gibt an, wie viel Prozent des Kaufpreises jährlich an Kaltmiete einfließen — ohne Kosten, Steuern oder Finanzierung.


Für Neubau-ETW in Deutschland bewegt sich die Bruttomietrendite typischerweise zwischen 3,2 und 5,5 % — abhängig von Lage und Kaufpreis:

Lage Kaufpreis-Niveau Mietrendite (brutto)
Metropolen (München, Frankfurt, Hamburg) Hoch 2,8–3,8 %
Mittelstädte / Wachstumsregionen Mittel 3,5–4,5 %
Ländliche Wachstumsstandorte Moderat 4,0–5,5 %

Hinweis: Werte sind Orientierungsgrößen für Neubau-ETW Stand 2026. Lokale Marktbedingungen können erheblich abweichen.


Die Bruttomietrendite allein sagt wenig aus. Sie enthält weder Bewirtschaftungskosten noch Steuern noch den Finanzierungshebel. Erst die Nettomietrendite ergibt ein realistischeres Bild.


Schicht 2: Nettomietrendite

Die Nettomietrendite zieht von der Kaltmiete alle nicht auf den Mieter umlegbaren laufenden Kosten ab:


Nettomietrendite = (Jahreskaltmiete − nicht umlagefähige Kosten) ÷ Kaufpreis × 100


Nicht umlagefähige Kosten bei vermieteten Eigentumswohnungen umfassen typischerweise:

- Hausverwaltung: 5–8 % der Kaltmiete

- Instandhaltungsrücklage: ca. 1–2 € pro m² und Monat (Neubau: eher am unteren Ende)

- Nicht umlagefähige Betriebskosten (z. B. anteilige Verwaltungskosten)

- Leerstandsrisiko: kalkulatorisch 1–2 % der Jahresmiete als Reserve


Bei einer Bruttomietrendite von 3,8 % reduziert sich die Nettomietrendite durch diese Kosten auf typischerweise 2,8–3,2 %.


Die Nettomietrendite ist die relevante Basisgröße für den Cashflow aus dem Mietverhältnis — aber auch sie erfasst den steuerlichen Hebel noch nicht.



Schicht 3: Steuerrendite

Die Steuerrendite ist für Gutverdiener der wirkungsstärkste Hebel — und in der Gesamtbetrachtung oft der größte Einzelposten.


Vermietungseinkünfte werden in der Einkommensteuererklärung (Anlage V) als Differenz aus Einnahmen und Werbungskosten erfasst. Werbungskosten umfassen:


- Zinsen auf das Bankdarlehen (vollständig absetzbar)

- AfA (degressive AfA nach § 7 Abs. 5a EStG + Sonder-AfA nach § 7b EStG)

- Verwaltungskosten, Instandhaltung, nicht umlagefähige Betriebskosten

- Kaufnebenkosten (anteilig über AfA oder sofort absetzbar)


In den ersten Jahren übersteigen die Werbungskosten regelmäßig die Mieteinnahmen — es entsteht ein steuerlicher Verlust, der das übrige Einkommen des Anlegers mindert. Dieser Verlustausgleich führt zur echten Steuerersparnis.


Bei QNG-40-Objekten ist die Steuerrendite in den ersten vier Jahren besonders hoch, weil die Kombination aus degressiver AfA und Sonder-AfA nach § 7b EStG eine außergewöhnlich hohe Gesamtabschreibung erzeugt.


[→ Artikel 3: AfA-Kombination mit Rechenbeispiel]



Schicht 4: Eigenkapitalrendite durch Leverage

Die Eigenkapitalrendite setzt den gesamten jährlichen Vorteil ins Verhältnis zum tatsächlich eingesetzten Eigenkapital — also in der Regel nur den Kaufnebenkosten.


Eigenkapitalrendite = Jahres-Gesamtvorteil ÷ eingesetztes Eigenkapital × 100


Da nur ein kleiner Teil des Kaufpreises als Eigenkapital eingesetzt wird (typischerweise 10–12 % für Kaufnebenkosten), wirkt der Hebel außergewöhnlich stark: Selbst eine moderate Gesamtrendite auf das Objekt ergibt auf das eingesetzte Eigenkapital eine sehr hohe Rendite.


Das ist der strukturelle Vorteil der fremdfinanzierten Immobilie — ein Hebel, der bei Aktien und ETFs ohne vergleichbares Zusatzrisiko nicht verfügbar ist.

Rechenbeispiel: Vollständige Renditeberechnung

Annahmen

Parameter Wert
Kaufpreis ETW 350.000 €
Wohnfläche 85 m²
Gebäudeanteil (abschreibbar) 290.000 €
Kaltmiete 1.050 €/Monat (12.600 €/Jahr)
Bruttomietrendite 3,6 % (12.600 € / 350.000 €)
Eigenkapital (Kaufnebenkosten ca. 11 %) 38.500 €
KfW-Darlehen (Programm 298) 150.000 € zu 1,62 % nominal
Hauptdarlehen 161.500 € zu 3,8 %
Steuersatz 42 %

Annahme: 2 tilgungsfreie Jahre beim KfW-Darlehen — in diesem Zeitraum werden nur Zinsen gezahlt.


Jährliche Zinslast (Jahr 1, tilgungsfreie Phase KfW)

Darlehen Zinssatz Jahreszins
KfW 150.000 € 1,62 % 2.430 €
Hauptdarlehen 161.500 € 3,8 % 6.137 €
Gesamt Jahreszins - 8.567 €


Steuerliche Werbungskosten Jahr 1

Position Betrag
Zinsen gesamt 8.567 €
Degressive AfA (5 % × 290.000 €) 14.500 €
Sonder-AfA § 7b (5 % × 290.000 €) 14.500 €
Verwaltung + Instandhaltung (Schätzung) 1.200 €
Summe Werbungskosten 38.767 €
Mieteinnahmen brutto 12.600 €
Steuerlicher Verlust –26.167 €
Steuerersparnis (42 %) 10.990 €


Gesamtvorteil Jahr 1

Position Betrag
Nettomieteinnahmen (nach Verw./Inst.) 11.400 €
Abzgl. Zinszahlungen –8.567 €
Zzgl. Steuerersparnis +10.990 €
Effektiver Jahresvorteil (ohne Tilgung) +13.823 €
Tilgung Hauptdarlehen (ca. 1,5 %) +2.423 € Vermögensaufbau
Gesamtvorteil inkl. Tilgung ~16.246 €



Eigenkapitalrendite Jahr 1

Eingesetztes Eigenkapital Gesamtvorteil Eigenkapitalrendite
38.500 € 16.246 € 42,2 %

Das bedeutet: Auf das eingesetzte Eigenkapital von 38.500 Euro erzielt dieses Objekt im ersten Jahr eine Rendite von über 42 % — aus Mieteinnahmen, Steuerersparnis und Tilgungseffekt. Wertsteigerung ist darin noch nicht enthalten.


Was QNG-40 gegenüber anderen Neubauten bedeutet

Bei einem Neubau ohne QNG-Zertifikat entfällt die Sonder-AfA nach § 7b EStG. Die Steuerersparnis im Rechenbeispiel würde sich von 10.990 € auf rund 5.545 € (nur degressive AfA, ohne Sonder-AfA) halbieren — ein Unterschied von 5.445 € allein im ersten Jahr, über vier Jahre kumuliert über 21.000 €.

Hinzu kommt: Ohne QNG ist auch die Kombination mit KfW 298 nicht möglich — nur KfW 297 wäre zugänglich, mit identischen Zinssätzen (Stand Mai 2026), aber ohne die Möglichkeit zur Sonder-AfA.

QNG-40 liefert damit zwei Vorteile: das günstigere Darlehen über KfW 298 und die volle steuerliche Kombination.


Was die Rendite nicht zeigt: Risikofaktoren

Eine vollständige Renditeberechnung enthält auch eine ehrliche Risikoabwägung:

Leerstandsrisiko: Jede Phase ohne Mieteinnahmen belastet den Cashflow direkt. Bei Neubau-ETW in nachgefragten Lagen ist das Leerstandsrisiko gering — aber es ist nie null.

Zinsentwicklung bei Anschlussfinanzierung: Wer heute zu 3,8 % finanziert und nach 10 Jahren mit 5–6 % anschließt, sieht den Cashflow deutlich unter Druck. Eine Reserve für höhere Anschlusskonditionen ist Pflicht.

Standortrisiko: Nicht jeder Standort entwickelt sich gleich. Die Mietrendite und die Wertsteigerung hängen stark vom lokalen Markt ab. Wir nehmen nur Objekte ins Portfolio, die diese Prüfung bestehen.

Steuergesetzgebung: Die Sonder-AfA nach § 7b EStG und die degressive AfA nach § 7 Abs. 5a EStG sind gesetzlich befristete Instrumente. Für Objekte mit Bauantrag bis September 2029 (§ 7 Abs. 5a EStG) und QNG (§ 7b EStG) gelten die aktuellen Regelungen jedoch als Bestandsschutz.


Fazit: Die Rendite ist mehr als die Miete

Die Rendite einer QNG-40-Neubau-ETW ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Mieteinnahmen, KfW-Zinsvorteil, steuerlicher AfA-Kombination und dem Fremdkapitalhebel. Auf das eingesetzte Eigenkapital gerechnet — typischerweise nur die Kaufnebenkosten — entsteht in den ersten Jahren eine Eigenkapitalrendite, die wenige andere Anlageformen erreichen.

Bruttomietrendite allein bildet das Gesamtergebnis nicht ab. Wer alle vier Schichten zusammenrechnet, erhält ein realistisches Bild dessen, was eine solche Anlage wirklich verdient.


Jetzt Renditeberechnung anfragen

Wir berechnen die individuelle Rendite für ein konkretes Objekt — mit Ihrem persönlichen Steuersatz, der spezifischen Finanzierungsstruktur und den aktuellen KfW-Konditionen.



Die hier dargestellten Renditeberechnungen dienen der allgemeinen Veranschaulichung. Tatsächliche Renditen hängen von individuellen Faktoren ab. Steuerliche Ausführungen ersetzen keine individuelle Steuerberatung.

Alle Angaben beziehen sich auf den Stand Mai 2026. KfW-Konditionen, Zinssätze und steuerliche Regelungen können sich ändern.

Quellen: § 7b EStG (Jahressteuergesetz 2022), § 7 Abs. 5a EStG (Wachstumschancengesetz 2024), KfW-Konditionen-Anzeiger (KfW, Stand 21.05.2026), eigene Berechnungen.

Zurück
Zurück

Steuerfrei verkaufen nach § 23 EStG: Die 10-Jahres-Frist für Kapitalanleger

Weiter
Weiter

KfW 297 und 298: Welche Förderung steht Immobilienkäufern zu?