Steuerreform 2027: Was Kapitalanleger wirklich davon haben und wo der echte Hebel liegt

Seit ein paar Wochen redet jeder über sie: die angeblich große Steuerreform 2027. Rund 10 Milliarden Euro Entlastung pro Jahr soll sie bringen, vor allem für kleine und mittlere Einkommen und für Familien. Klingt erstmal nach was. Schaut man aber genauer hin, ist das Ganze aus unserer Sicht ziemlich viel heiße Luft. Denn vielen bringt sie deutlich weniger, als es sich anhört. Und wer überdurchschnittlich verdient, merkt davon quasi gar nix. Wer wirklich Steuern sparen will, muss selbst ran. Und das ist einfacher, als die meisten denken. Gerade für Kapitalanleger gibt's einen Hebel, den sie ganz allein in der Hand haben.

Steuerreform 2027: Das steht im Beschluss

Das Bundeskabinett hat am 2. September 2026 den Gesetzentwurf beschlossen, Bundestag und Bundesrat müssen noch zustimmen. Geplant sind diese Schritte für 2027 und 2028:

  • Der Grundfreibetrag steigt auf 12.564 Euro (2027) und 12.900 Euro (2028).

  • Das Kindergeld klettert auf 267 Euro (2027) und 272 Euro (2028) pro Kind und Monat.

  • Der Arbeitnehmerpauschbetrag steigt auf 1.430 Euro.

  • Die Grenze zum Spitzensteuersatz verschiebt sich von aktuell 69.879 auf voraussichtlich 70.600 Euro zu versteuerndem Einkommen.

Finanziert werden soll das Ganze unter anderem über eine höhere Reichensteuer: 45 Prozent ab 250.000 Euro, 47 Prozent ab 280.000 Euro (Ledige; bei Zusammenveranlagung gelten die doppelten Beträge). Macht ab 2028 unterm Strich rund 10 Milliarden Euro Entlastung pro Jahr. Die Bundesregierung nennt dazu ein Beispiel: Eine berufstätige Familie mit zwei Kindern und 60.000 Euro zu versteuerndem Einkommen soll um mehr als 600 Euro im Jahr entlastet werden.

Reichstagsgebäude in Berlin mit Deutschlandflagge: Steuerreform 2027 und was Kapitalanleger davon haben

Kalte Progression: Warum die Entlastung kleiner ist, als sie klingt

Das Institut der deutschen Wirtschaft hat sich das Paket genauer angeschaut, und das Ergebnis ist ernüchternd: Die 10 Milliarden reichen nicht mal aus, um die kalte Progression der Jahre 2026 und 2027 auszugleichen. Ein vollständiger Ausgleich hätte rund 15 Milliarden gekostet. Kalte Progression heißt vereinfacht gesagt: Wächst das Gehalt mit der Inflation mit, und wird die Steuertabelle aber nicht im gleichen Tempo angepasst, zahlt man am Ende real mehr Steuern, obwohl netto gar nicht mehr in der Tasche ankommt. Genau das gleicht diese Reform nicht vollständig aus.

Und dann kommt noch dazu: 2028 steigen auch der Rentenbeitrag, die Pflegeversicherung und der CO2-Preis. Ein Angestellter mit 3.000 Euro brutto zahlt allein durch den höheren Rentenbeitrag rund 216 Euro im Jahr mehr. Damit ist ein gutes Stück von den versprochenen gut 600 Euro schon wieder weg, bevor man überhaupt beim Rest der Rechnung angekommen ist.

Spitzensteuersatz: Für Gutverdiener ändert sich praktisch nichts

Wer überdurchschnittlich verdient, spürt von der ganzen Reform sowieso nichts. Sie ist bewusst auf kleine und mittlere Einkommen zugeschnitten. Wer heute schon beim Spitzensteuersatz von 42 Prozent liegt, für den ändert die minimale Verschiebung der Einkommensgrenze so gut wie gar nichts.

Der Hebel, den Kapitalanleger selbst in der Hand haben: die Sonder-AfA nach § 7b EStG

Wer wirklich Steuern sparen will, muss selbst aktiv werden, denn die Reform ist aus unserer Sicht größtenteils Augenwischerei. Was kann man also selbst tun? Es gibt ein Instrument, das wirklich was bringt: die Sonderabschreibung für den Mietwohnungsneubau nach § 7b EStG. Wie sie im Detail funktioniert, haben wir hier beschrieben: § 7b EStG Sonder-AfA: Alles, was Kapitalanleger wissen müssen.

Man kann die Sonder-AfA sogar mit der regulären degressiven AfA kombinieren. Konkret sieht das so aus: Die degressive AfA bringt 5 Prozent pro Jahr auf den jeweiligen Restwert des Gebäudes. Die Sonderabschreibung nach § 7b bringt obendrauf 5 Prozent pro Jahr auf die Bemessungsgrundlage, linear über vier Jahre. Zusammen macht das bis zu 20 Prozent zusätzliche Abschreibung. Wie beide Hebel zusammenspielen, zeigt unser Beitrag Degressive AfA und Sonder-AfA kombinieren: Rechenbeispiel.

Voraussetzungen für die Sonderabschreibung beim Neubau

Damit das klappt, muss Folgendes stimmen:

  • Es muss ein Neubau im Standard Effizienzhaus 40 mit QNG-Siegel sein.

  • Der Bauantrag oder die Bauanzeige muss im aktuellen Förderzeitraum liegen, der bis zum 30.09.2029 läuft.

  • Die Baukosten dürfen 5.200 Euro pro Quadratmeter nicht übersteigen, und die Bemessungsgrundlage für die Sonderabschreibung ist auf 4.000 Euro pro Quadratmeter gedeckelt. Mehr als tatsächlich investiert, lässt sich ohnehin nie abschreiben.

  • Die Wohnung muss zehn Jahre lang vermietet werden, sonst wird der Vorteil rückwirkend gestrichen.

Rechenbeispiel: Sonder-AfA und degressive AfA bei einem KfW-40-QNG-Neubau

Ein Beispiel, mit dem sich rechnen lässt: eine Wohnung mit 140 Quadratmetern, Herstellungskosten 420.000 Euro und ein Kapitalanleger mit einem Grenzsteuersatz von 42 Prozent.

JahrSonder-AfA § 7bDegressive AfASumme
Jahr 121.000 €21.000 €42.000 €
Jahr 221.000 €19.950 €40.950 €
Jahr 321.000 €18.953 €39.953 €
Jahr 421.000 €18.005 €39.005 €
Gesamt84.000 €77.908 €161.908 €

Über die vier Jahre kommen so rund 162.000 Euro zusätzliche Abschreibung zusammen. Bei 42 Prozent Steuersatz sind das ungefähr 68.000 Euro, die man sich spart, allein über die Sonderabschreibung sind es schon rund 35.000 Euro. Dafür braucht's keinen Kabinettsbeschluss, sondern nur die eigene Investitionsentscheidung. Zur Finanzierung reichen oft nur die Kaufnebenkosten aus Eigenkapital, und obendrein gibt's ein günstiges Förderdarlehen der KfW (KfW 297 und 298). Was das konkret für Ihre eigenen Zahlen bedeutet, zeigt der Steuerersparnis-Rechner.

Fazit: Auf die Steuerreform warten oder selbst handeln?

Die Steuerreform 2027 ist real, aber überschaubar und bringt unterm Strich keine echte Entlastung. Vor allem, weil sie die kalte Progression nicht komplett ausgleicht und andere Belastungen wie der steigende Rentenbeitrag gleich wieder einen Teil davon auffressen. Wer gut verdient, merkt sowieso kaum was davon. Wer stattdessen selbst in einen KfW-40-QNG-Neubau investiert, kann sich mit Sonderabschreibung und degressiver AfA kombiniert einen Steuervorteil verschaffen, der die ganze Reform um ein Vielfaches übertrifft. Und das völlig unabhängig davon, was als Nächstes im Bundestag beschlossen wird.

Wenn Sie wissen möchten, wie sich das auf Ihre persönliche Situation übertragen lässt und was das für Ihre Finanzierung bedeutet: Melden Sie sich gerne bei uns, dann rechnen wir das gemeinsam und unverbindlich durch.

 

Häufige Fragen zur Steuerreform 2027 für Kapitalanleger

Was bringt die Steuerreform 2027 Gutverdienern?

Praktisch nichts. Die Grenze zum Spitzensteuersatz von 42 Prozent verschiebt sich nur von 69.879 auf voraussichtlich 70.600 Euro. Ab 250.000 Euro zu versteuerndem Einkommen steigt der Satz auf 45 Prozent, ab 280.000 Euro auf 47 Prozent (Ledige; bei Zusammenveranlagung die doppelten Beträge).

Gleicht die Steuerreform 2027 die kalte Progression aus?

Nein. Nach Berechnung des Instituts der deutschen Wirtschaft hätte ein vollständiger Ausgleich für 2026 und 2027 rund 15 Milliarden Euro gekostet. Die Reform bringt rund 10 Milliarden.

Wie viel Steuern spart die Sonder-AfA im Vergleich zur Reform?

Im Beispiel rund 35.000 Euro in vier Jahren allein über die Sonder-AfA, zusammen mit der degressiven AfA rund 68.000 Euro. Die Reform entlastet laut Bundesregierung eine Familie mit zwei Kindern und 60.000 Euro zu versteuerndem Einkommen um gut 600 Euro im Jahr.

Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Steuerberatung. Die genaue Anwendung von § 7b EStG, insbesondere förderfähige Kosten, Nachweise und Fristen, sollte immer mit einem Steuerberater geprüft werden. Zahlen zur Reform: Bundesfinanzministerium und Bundesregierung, Stand September 2026.

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